Wie war der Workshop mit Sue?

April 2019 in München – Workshop mit Sue Garn und Andrea Zumbrägel

Workshop April

Workshop verpasst? Interesse am nächsten? Es ist möglich, sich jetzt schon für nächstes Jahr voranzumelden, 25. und 26. April 2020, hier…

Aus Stimmen von Teilnehmenden entsteht vielleicht ein Eindruck, der etwas vom Workshop widerspiegelt…

Es war eine Begegnung mit dem Unfassbaren. Als Ganzes scheinen mir die Verbrechen der Nazizeit und alles was passiert ist unfassbar. Das ist zu groß für uns, das Leid ist unermesslich. Mit Sue war es eine konkrete Begegnung. Da ist jemand, deren Eltern die Verfolgung überlebt haben. Und sie ist eine Erbin ihrer Leiden, in gewissem Sinne. So wie ich eine Erbin der Taten meiner Großeltern und der deutschen Geschichte insgesamt bin. Ob ich es will oder nicht. (…)

Ohne Sue wäre der Workshop ein anderer gewesen. Die Tatsache, dass sie nach Deutschland kommt und mit den Kindern der VerbrecherInnen arbeitet, ist umwerfend für mich.


Es war so heilsam, mit gleichgesinnten Frauen im Kreis zu sitzen, – sich auszutauschen. Es hatte was MAGISCHES, wie es passte. Sehr hilfreich war die Liebe, die Klarheit/Direktheit,  mit der Sue leitet.

Ich habe den von Andrea geleiteten Heilkreis als sehr intensiv erlebt. Ich konnte in Verbindung sein, fühlte mich getragen.  Es war eine heilende, heilige Atmosphäre.


(…) Tiefer und tiefer zu gehen und tief Vergrabenes ans Licht zu bringen. Auch wenn Bilder, Gefühle hochkamen die mit dem denkenden Hirn unverständlich blieben, waren sie doch auf einer höheren Ebene ganz klar, überhaupt nicht bedrohlich, sondern innerlich befriedend und befreiend. Ich fühlte mich erleichtert und gehalten durch Sues Fragen, die Präsenz der Gruppe und das Gefühl: es wird einfach gehört.

(…) Auf der Europa-Demo in München trug eine Frau ein Transparent: Kommt der Mut, geht der Hass. So hat sich das angefühlt. Da ist nicht mehr dran zu rütteln, ganz natürlich und einfach. Fühlt sich leicht an, friedlich und offen wie nach Hause kommen .


Bettina Höldrich über den Workshop:

Ein sehr klares Ziel – alte Schuld und Scham aufdecken, die wir aufgrund des Holocaust erbten und tragen, und das loslassen, so dass unser wahres Sein hervorscheinen kann. Gleichzeitig war es vollkommen offen, wie wir denn da hinkommen würden – wir konnten uns einfach hineinfallen lassen.

Eine Erfahrung nehme ich ganz besonders mit: Am Abend des ersten Workshoptages, voller Euphorie über den befreienden Prozess, fiel mir plötzlich eine blöde kleine Auseinandersetzung mit jemand ein, die ich im Alltag gehabt hatte. Nein – ich kann doch jetzt nicht so kleinlich und engstirnig werden, wo ich gerade gefühlsmäßig den Himmel berührt habe? – Als ich die Situation so betrachtete, war es mir auf einmal möglich zu sehen: Wenn die andere Person wirklich die Möglichkeit hätte, den Zwist einfach fallen zu lassen – würde sie es tun? Natürlich würde sie das! Die andere Person litt genauso wie ich unter dieser Situation, und genauso wie ich fand sie momentan keinen Ausweg. Ich konnte die Schutzschichten und den Panzer erkennen, die um das „Reine Herz“ in uns beiden, in allen Menschen liegt. Ich konnte da hindurchschauen, und es einfach loslassen. So erleichternd!


Sue Garn über den Workshop:

Ich kam einige Tage vor dem Workshop nach Deutschland, und das half mir, umso deutlicher Orte in mir selbst aufzuspüren, wo ich noch Opfer sein, Schmerz und Angst festhalte. … Der neue Ort, an den ich dadurch gelangt bin, ist so viel gesünder und ich erlebe mehr Akzeptanz und Mitgefühl. (…)

Zu Beginn des Workshops empfand ich die Energie als sehr dicht und schwer, und die Teilnehmerinnen drückten tiefen Schmerz aus, jede auf ihre Weise. Von Anfang an war da die Bereitschaft, sich ganz in diesen intensiven Prozess hineinzubegeben. (…)

Es war erstaunlich zu sehen, welche Veränderung vor sich ging – zunächst indem die Teilnehmenden akzeptierten, wer sie waren, und dann, wie es immer klarer wurde: Es gibt einen Ort in uns, an dem wir eine Wahl haben (…) uns zu entscheiden, an einen gesünderen Ort zu kommen, wo wir Zugehörigkeit erfahren. Diese Zugehörigkeit ist dann nicht mehr mit Schuldgefühlen verbunden, sondern mit Verantwortlichkeit.

Für mich war es eine große Ehre, dass mir diese Gelegenheit in den Schoß fiel, aktiv beteiligt zu sein am Beginn eines Prozesses, in dem wir von einer der schrecklichsten Zeiten der menschlichen Geschichte genesen.